Beim Reifenservice in der Werkstatt wird Autofahrern gelegentlich eine Befüllung mit speziellem Reifengas (erkennbar an grünen Ventilkappen) anstelle normaler Druckluft angeboten. Doch worum handelt es sich bei Reifengas genau, welche physikalischen Vorteile bietet es und lohnt sich der Aufpreis im Alltag?
Warum normale Druckluft im Alltag völlig ausreicht
Im Alltag werden über 95 Prozent aller Pkw-Reifen mit normaler Druckluft befüllt. Das hat gute Gründe:
- Luft besteht bereits zu 78 % aus Stickstoff: Unsere natürliche Atemluft setzt sich aus rund 78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff und einem Prozent Edelgasen zusammen.
- Überall kostenlos oder günstig verfügbar: An jeder Tankstelle und mit jedem Heimkompressor lässt sich der Reifendruck jederzeit unkompliziert prüfen und nachfüllen.
Was ist Reifengas und wie funktioniert die Stickstofffüllung?
Als Reifengas bezeichnet man hochreinen Stickstoff (N₂) mit einem Reinheitsgrad von über 90 bis 99 Prozent. Der physikalische Hintergrund:
- Größere Molekülstruktur: Stickstoffmoleküle sind geringfügig größer als Sauerstoffmoleküle und diffundieren deshalb langsamer durch die mikroskopisch feinen Poren des Reifengummis.
- Keine Feuchtigkeit und kein Sauerstoff: Da reiner Stickstoff trocken und reaktionsarm (inert) ist, wird Oxidation im Reifeninneren sowie an der Felge reduziert.
Wo kommt Reifengas hauptsächlich zum Einsatz?
Während der Unterschied im normalen Straßenverkehr gering ausfällt, ist Stickstoff in extremen Einsatzbereichen unverzichtbar:
- Motorsport und Formel 1: Da trockener Stickstoff keine Luftfeuchtigkeit enthält, schwankt der Reifendruck bei extremen Reifentemperaturen von über 100 Grad Celsius deutlich berechenbarer als bei feuchter Druckluft.
- Luftfahrt und Gefahrguttransporte: Flugzeugreifen und Spezialfahrzeuge werden mit reinem Stickstoff befüllt, um das Risiko von Reifenbränden unter Extrembelastung auszuschließen.
- Saisonfahrzeuge und Standzeiten: Bei Wohnmobilen, Anhängern oder Oldtimern und Klassik-Fahrzeugen, die über Monate hinweg stehen, hält eine Stickstofffüllung den Druck etwas länger konstant.
Fazit: Für wen lohnt sich Stickstoff im Reifen?
Für normale Alltagsfahrzeuge reicht herkömmliche Druckluft vollkommen aus – zumal Sie den Reifendruck gemäß unseren Tipps zur Reifenwartung auch mit Reifengas regelmäßig alle paar Wochen kontrollieren sollten. Wer hingegen ein Saisonfahrzeug mit langen Standzeiten besitzt oder maximal konstanten Fülldruck wünscht, kann Reifengas problemlos nutzen (und im Bedarfsfall an der Tankstelle auch jederzeit mit normaler Luft nachfüllen). Und falls beim nächsten Check ein Reifenwechsel ansteht, finden Sie im Re-Tire Reifen-Shop passende Neureifen, neuwertige DEMO-Reifen (max. 50 km) sowie unbenutzte DOT-Reifen mit 100 % Profil.



